Korea, USA, Europa – Sechs Thesen

02/12/2010

Von Andrew Denison

USS George Washington

  1. Mit dem schwersten Angriff seit Ende des Koreakriegs 1953, haben die Regierenden in Pjöngjang der Welt gezeigt, wie schnell ein „eingedämmtes“ Problem eskalieren kann. Dieser Angriff zeigt auch, wie eine solche Krise die machtpolitischen Karten neu aufmischen kann. Plötzlich sind die Amerikaner bereit, den Super-Flugzeugträger „George Washington“ und seinen Verband ins Gelben Meer zu versenden — obwohl sie zuvor aus Respekt vor chinesischen Befindlichkeiten darauf verzichtet haben. Plötzlich meinen viele, dass das große China dafür verantwortlich ist, dass sein kleiner Vasallenstaat Nordkorea weiter so um sich schlägt.
  2. Dieser Angriff erweckt die Hoffnung, dass China verantwortungsbewusst mit seiner neuen Macht umgehen wird. China muss erkennen, dass der Erhalt des gegenwärtigen nordkoreanischen Regimes, doch einen hohen Preis fordern wird. Man kann nur hoffen, dass Beijing sieht, dass dieser Preis deutlich höher sein wird als eine Öffnung des Nordens, oder sogar eine Vereinigung mit Südkorea. Solange China den Erhalt dieses gefährlichen Regimes als ein vitales Interesse definiert, wird es Schwierigkeiten haben, als verantwortungsbewusster Ordnungsfaktor in der Region erkannt zu werden.
  3. Der Beschuss der Insel Yeonpyeong erinnert daran: Am Ende des Tages, ist es die Seemacht Amerikas, die für Sicherheit auf den Weltmeeren sorgt — nicht nur im Persischen Golf, sondern auch im Gelben Meer sowie im naheliegenden Südchinesischen Meer, durch das die Hälfte der globalen Schiffsgüter passiert, und von dem China weiter behauptet, das ganze Meer sei chinesisches Gewässer.
  4. Diese Provokation legt offen, wie lähmend eine fehlende Eskalationsdominanz wirkt. Nicht nur Nordkoreas Atomwaffen und Langstreckenraketen schrecken ab, sondern auch die zig Tausend eingegrabenen Artillerierohre, die Seoul schnell in Schutt und Asche schießen könnten.
  5. Diese Krise muss die Europäer darin erinnern, wie sehr die Amerikaner nicht nur an der europäischen Peripherie zu tun haben, sondern auch wie tief Amerikaner mit China und der Neuordnung Asiens verwickelt sind. Für die Europäer wächst allerdings die Bedeutung Asiens rasant.
  6. Zuletzt zeigt dieses Säbelrasseln am Rand zum Krieg, wie nötig eine Globalisierung der europäischen Sicherheitspolitik geworden ist. Europa profitiert auch vom Frieden im Pazifik. Europa genießt die Vorteile der offenen Seewege, rund um Korea und Japan, aber auch im Südchinesischen Meer, dessen Anrainerstaaten für Europa von wachsender wirtschaftlicher Bedeutung sind. Europa muss mit modernen, ausreichend finanzierten Kriegsmarinen die Sicherheit der Region unterstützen. Die Amerikaner brauchen nicht nur mehr europäische Schiffe im Verband, sondern auch mehr europäische Weitsicht auf der Brücke.