02/03/2026

Natur und Ziele des amerikanischen Angriffs auf Iran – Spiegel von Trumps Charakter

von Andrew Denison

Donald Trump

Opportunist
„Er sah die Chance und ergriff sie“, schrieb David Sanger in der „New York Times“. Geostrategisch betrachtet sieht der Opportunist in Irans Schwäche das Imperativ zum Handeln, nicht in einer unmittelbaren Bedrohung. Trump weiß Schwächen zu erahnen und auszunutzen wie kaum ein anderer. Wirtschaftlich, militärisch und politisch war das Mullah-Regime noch nie so schwach. Zudem war es verlockend, Russlands Waffenquelle und Chinas Ölquelle abzudrehen.

Innenpolitisch sah der Opportunist eine Möglichkeit zur Ablenkung – von Epstein, ICE, Inflation und der sinkenden Unterstützung in den Umfragen.

Nicht zuletzt sah der Opportunist in der Möglichkeit, alle iranischen Führungskräfte an einem Ort zu treffen, einen Schuss, den er nicht lassen konnte. 

Maximalist
Nicht kleckern, sondern klotzen! Dies könnte aus „The Art of the Deal“ stammen, dem 1987 erschienenen Bestseller des Maximalisten Donald Trump.

Ein Ende der iranischen Urananreicherung reichte Trump nicht mehr. Er verlangte in seiner Ansage auf Truth Social laut und klar das Maximum, also das Ende der Macht der Mullahs samt ihrer brutalen Handlanger, der IRGC und der Basij. Das „großartige, stolze Volk des Iran“ solle die Macht in die Hand nehmen und vielleicht auch Amerikas Freund werden. Nicht Nadelstiche, sondern ein Angriff in voller Wucht. Doch der Maximalist Donald Trump weiß, dass er nicht immer das bekommt, was er will. Dann gilt es, den Schwarzen Peter abzugeben und das „stolze Volk“ Irans für das Scheitern verantwortlich zu machen.

Revanchist
„Retribution“ sei Donald Trumps Leitmotiv, sagt Jonathan Karl, Trump-Biograf und Washington Korrospondent bei ABC. Trump, der Revanchist, rechtfertigt seinen Krieg mit einer Auflistung aller Angriffe, die die Islamische Republik im Namen ihres Schlachtrufs „Tod den Amerikanern und Israelis!” in den letzten fünf Jahrzehnten durchgeführt hat. Nicht zuletzt widersetzte sich das iranische Regime Trump, indem es sein Atom- und Raketenprogramm nicht einstellte, nachdem er es im 12-Tage-Krieg „zunichte“ gemacht hatte. Die letzte Anmaßung für Donald Trump war, dass Anfang Januar abertausende Demonstranten getötet wurden. Grund genug für Trump, Revanche zu suchen. Komme, was wolle. 

Hasardist
„Kein Präsident war je bereit, das zu tun, wozu ich heute Abend bereit bin.“ Für den Hasardeur Trump ist Waghalsigkeit eine Form der Hebelkraft. Er geht Risiken ein, löst Lawinen aus und schaut, was daraus wird. Der aus dem außenpolitischen Apparat gewonnene kleinste gemeinsame Nenner Politik ist nicht Trumps Art. Ende mit Schrecken statt Schrecken ohne Ende. Die Islamische Republik und der gesamte Nahe Osten werden nach ihm nie wieder dasselbe sein. Trump und seine wichtigsten Berater wissen wohl, welche Gefahren in seinem Angriff lauern. Er mag sich neue iranische Freunde und blühende Landschaften wünschen, doch er riskiert damit ein noch schlimmeres Regime, einen überregionalen Bürgerkrieg, eine Ölpreisexplosion – und das Ende seiner MAGA-Koalition. 

Unilateralist
Trump, der Unilateralist, hat nicht einmal versucht, die Europäer mit ins Boot zu holen. Er wollte nicht ausgebremst werden und wusste, dass er allein handeln konnte. Die Europäer haben es dem Unilateralisten einfach gemacht. Wie beim Irakkrieg 2003 und so oft davor haben sich die Deutschen und viele andere Europäer von Amerikas Interventionen im Nahen Osten distanziert – und sich damit begnügt, vor allerlei Gefahren zu warnen und die Beachtung des Völkerrechts zu verlangen.

Allein gegen alle und doch mit Israel zusammen – so eng wie noch nie. Israel wurde zum ersten Mal wirklich zum amerikanischen Flugzeugträger und die Israelis durften (oder mussten?) den Todesschuss gegen Khamenei abgeben. Ob Trump diese neue Hebelkraft über Israel nutzen wird, um seine Vision für Gaza durchzusetzen, bleibt offen.

Narzisst
Wie in Trumps Laufbahn bisher üblich, kommen seine die Schlagzeilen dominierenden Eigenschaften in immer neuen, bisher unvorstellbaren Formen zum Tragen. So wird es auch bei seinem Krieg gegen den Iran sein.