Die US-Immobilienkrise meldet sich zurück

18/01/2011

Von Kai-Felix Gülden

Die US-Immobilienkrise meldet sich zurück

Vor gut drei Jahren führten Immobilienkredite an Gläubiger mit schlechter Bonität zur sogenannten Hypothekenkrise, mit welcher viele US-amerikanische Familien bis heute zu kämpfen haben. Obwohl es zwischenzeitlich zwar etwas ruhiger geworden war, ist die Hypothekenkrise mitnichten ausgestanden. Sie hat sich nur verlagert. Waren im Jahre 2007 in erster Linie die Fondsgesellschaften noch die großen Verlierer der Krise, schlägt das Pendel nun zu Ungunsten der Hauskäufer aus.

Das Grundproblem der Krise von 2007
Das damalige Kernproblem der Hypothekenkrise bestand laut der Süddeutschen Zeitung in der leichtfertigen Gewährung von finanziell nicht abgesicherten Kreditanleihen durch US-Banken an Kunden, welche nicht über eine ausreichend hohe Bonität für solche Geschäfte verfügten. Parallel zu dieser Entwicklung verkauften die kreditvergebenden Banken diese hoch riskanten Hypothekenbriefe als werthaltige Anlageform auf dem Finanzmarkt an verschiedene Investoren – in erster Linie waren es Fondsgesellschaften – und versorgten sich auf diesem Wege mit Liquidität vom Kapitalmarkt. Problematisch wurde die Lage schließlich jedoch, als vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden US-Wirtschaft, die Nettoeinkünfte der Hauskäufer sukzessive sanken und diese Entwicklung kombiniert mit steigenden Zinsen für die aufgenommenen Hypotheken zu hohen Ausfällen bei den Tilgungsverpflichtungen der Kreditnehmer führte. Im Ergebnis kam es zu einer Entwertung der Guthaben der Fondsgesellschaften und schließlich zu einer horrenden Wertvernichtung für deren Kunden, welche mehrheitlich der Meinungen waren, werthaltige Papiere in ihren Depots zu besitzen.

Was passierte danach?
Wie das Handelsblatt berichtet versuchten als Folge dieser Krise viele Banken zu retten, was zu retten war, und führten reihenweise Zwangsvollstreckungen durch, um wenigstens noch an etwas Geld zu kommen. Bei diesen Zwangsvollstreckungen wurde aber auf Grund der hohen Zahl an Immobilienobjekten nicht jeder Fall individuell geprüft, was nun zu rechtlichen Konsequenzen führen könnte. Konkret bedeutet diese Konstellation, dass einige Hauskäufer ohne ausreichende Prüfungen seitens der Banken aus ihren vier Wänden verjagt worden sein könnten und auf diese Weise die momentan auf dem Markt befindlichen Immobilien dort unrechtmäßig angeboten werden. Diese Unsicherheit wiederum könnte dazu beitragen, dass sich Investoren den Kauf einer solchen Immobilie zweimal überlegen und damit der Immobilienmarkt weiter belastet wird. Das Handelsblatt befürchtet, dass bei einer solchen Entwicklung die Preise auf dem Immobilienmarkt fallen und sich in Folge dessen das Konsumklima verschlechtert: Denn Immobilieninvestoren sind in vielen Regionen der USA eine wichtige Konsumentenschicht.

Folgen für Deutschland
Eine solche Entwicklung könnte dazu beitragen, dass die sich im Moment wieder aufrappelnde US-Wirtschaft einen neuen Dämpfer erhält. Ein solches Szenario wiederrum hätte direkte Auswirkungen auf die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland, welches nicht in unerheblichem Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika abhängt. Kaum eine andere Volkswirtschaft wie die Deutsche hat traditionell so starke Verbindungen in die US-Wirtschaft, sei es über ausländische Direktinvestitionen oder aber – wie in Folge der Hypothekenkrise erkennbar – über verschiedene Finanzinvestitionen.

In der Regel führt diese starke transatlantische Verzahnung zu jeweilig positiven wirtschaftlichen Gesamteffekten auf beiden Seiten, einer sogenannten Win-Win-Situation. Geht es einem der beiden Länder aber wirtschaftlich nicht so gut, dreht sich dieser Effekt auch schnell um.

Hoffnung auf eine rasche und nachhaltige Lösung
Vor dem Hintergrund dieser transatlantischen Wirtschaftsverflechtungen bleibt zu hoffen, dass die Hypothekenkrise in den USA einer raschen Lösung zugeführt und als Konsequenz der lähmenden Verunsicherung der Investoren auf dem Immobilienmarkt Einhalt geboten wird. Laut dem Handelsblatt hat bereits der US-Notenbank-Chef, Ben Bernanke, einen Untersuchungsbericht zur Aufarbeitung der Unregelmäßigkeiten angekündigt, um damit wieder das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen.