Frühling im Nahen Osten?

13/02/2011

Von Andrew Denison

Ayatollah Ali Khamenei und Präsident Mahmud Ahmadinedschad

Mubarak ist weg. In Ägypten herrscht (weiter) das Militär. Der Weg zur Demokratie, zur begrenzten, transparenten Staatsmacht bleibt noch lang und schwer. Doch der erste, wichtigste Schritt ist getan. Die Gesellschaft hat sich mobilisiert, organisiert, und dizipliniert. Keine Autobomben in den Marktplätzen, sondern friedliches Durchharren bis zum Ende. Mit den Tahriris hat sich eine neue, stolze, hoffnungsvolle, gut vernetzte Generation gemeldet.

Ägypten ist eine der drei Drehscheiben des Nahen Ostens—des Europa sehr nahen Ostens. Die Türkei und Iran stellen die anderen zwei Machtzentren dieses europäischen Umlands. Die Türkei ist sehr europäisch, das neue Ägypten hoffentlich bald auch. Der Iran, jedoch, bleibt weiterhin das größte Hindernis zu Öffnung, Aufklärung und Wohlstand im Nahen Osten.

Das Waterloo der Autokraten bleibt aus, solange die Mullahs und Gardisten in Teheran ihre Macht behalten. Wehen die Düfte des Jasmin weiter dahin, wo sie wirklich gebraucht werden? Wird die Grüne Revolution in Iran aufkeimen in diesem arabischen Frühling 2011, und einen persischen Frühling mit sich bringen? Der große Ayatollah Ali Khamenei und seinesgleichen heißen die Tahrir Bewegung willkommen, glauben die Tahriris sind die Weiterführung der iranischen Revolution. Irrglauben. Tahrir in Teheran bedeute das Ende der Theokraten und den Anfang der Modernisierung.

Die Ägypter haben ihre Revolution selbst gemacht, aber die Weltgemeinschaft hat sich gut präsentiert. Der friedliche Ausgang ist auch intensivster Diplomatie und lang gepflegten Beziehungen zu verdanken. Schwierig ist es, neue Regierungen aufzubauen, alte Machthaber zu entmachten. Teuer auch. Ohne die globale Vernetzung—Staat, Wirtschaft, Militär, Zivilgesellschaft—wäre dies allerdings viel schwerer. In der Welt von heute ist Demokratie schneller zu lernen, dank der Investition der Diplomaten, Militärs und NGOs, dank der (westlichen) Mobiltelefonnetzwerke. Der atlantische Verbund hat sich gut aufgestellt als Hebamme der Modernisierung, seine Fähigkeiten demonstriert, seine Erfahrung ausgeweitet.

Diese Erfahrungen sind Macht, vor allem in der Auseinandersetzung mit Iran. Eine globale Front des Drucks hat ihr Potenzial in Kairo bewiesen. Die Menschen, die morgen auf die Straße gehen, die ihre Schicksale selbst gestalten wollen, ohne ihre Handys oder ihr Leben zu verlieren – sie wissen jetzt, sie sind nicht mehr so ganz allein.

Khamenei und Ahmadinedschad wollen die Menschen des Tahrirplatz feiern, leuten damit aber ihr eigenes Ende ein. Am Valentinsmontag will die iranische Opposition auf der Straße gehen, um Tahrir auf ihre Weise zu ehren. Ein Zeichen wird gesetzt—auch in Teheran. Die Zeit der Autokraten läuft aus.