Joe Biden wird Amerikas nächster Präsident – welche Strategie für Deutschland?

08/11/2020
Kamala Harris und Joe Biden

Joe Biden ist es gelungen, die US- Präsidentschaft zu gewinnen, der Welt zu zeigen, dass fortschrittliche, inklusive Amerikaner in der Mehrheit sind, dass diese Mehrheiten auch in Amerikas unverständlichen Wahlsystem gewinnen können.

Doch Trumps Wähler haben der Welt gezeigt, dass es andere Prioritäten im Lande gibt. Die Reaktion gegen Covid-19, Maskenpflicht, Lockdown und Wirtschaftsstillstand erklären die große, landesweite Unterstützung für Donald Trump und seine Politik des Trotzes. Will Biden das Land einen, gilt es, Trumps Anhänger zu verstehen, zu überzeugen und zu befreunden. Nur so kann Biden und seine Koalition Amerika für die Herausforderungen der Zukunft fit machen.

Bidens Amerika in einer neuen Welt
In mancher Hinsicht hat sich die Welt in den vier Jahren der Trump-Präsidentschaft mehr geändert als Amerika selbst. Die Nachkriegsordnung—also die Eindämmung und Abschreckung der russischen und chinesischen Atom-Mächte, über den Atlantik, mit Europa, NATO, und Frieden,  und über den Pazifik mit Japan, den Korea- und Vietnam-Kriegen, und dem ständigen Koalitionsbildung mit den dortigen Staaten—ist nach 75 Jahren noch nicht verschwunden, aber viel ist dazu gekommen.

Die Verwundbarkeit Amerikas ist ständig gewachsen. Fallende Grenzen machen die Welt amerikanischer, doch die Probleme der Welt dringen einfacher nach Amerika ein. Im 21. Jahrhundert gab es 9/11, Forever Wars im Nahen Osten, Wirtschaftskrise, Donald Trump und russische Einmischung, Covid-19, Lockdown, Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen und Klimakrise.

Viele sprechen von einem Zeitalter der Beschleunigung, also einer Moore´s-Law-Welt. Der US außenpolitische Experte, Richard Haas, behauptet in seinem vielzitierten Foreign Affairs Artikel, Covid-19 habe all diese globalen Trends, auch die Veränderungen der internationalen Machtverhältnisse, nochmals beschleunigt.

Deutschlands neue Amerika-Strategie
Wie soll sich Deutschland in dieser neuen Welt gegenüber Bidens Amerika positionieren? Biden bietet die Möglichkeit, die transatlantischen Beziehungen auszubauen, die Partnerschaft für die künftige Herausforderungen zu trimmen. Von der Bekämpfung von Covid-19 und der damit verbundenen Wirtschaftskrise über die Koordinierung der Cyber-Sicherheit, sowie den Umgang mit China und Russland bis zur Abwendung und Abfederung von Klimawandel—es gibt genug Gründe für Bidens Amerika mit Europa zusammenzuarbeiten—auch wenn diese Zusammenarbeit manchen Amerikanern, gerade Trump-Anhänger, schwer fällt. Die Skeptiker denken, die Europäer nutzten Amerikas Interesse an Frieden, Freiheit und Wohlstand aus, um selbst weniger dafür tun zu müssen.

Diese Amerikaner sollten die Europäer, vor allem die Deutschen, besser verstehen, wirksamer überzeugen, offenherziger befreunden. Die Verbesserung transatlantischer Beziehungen ist nicht nur von einer Veränderung des amerikanischen Verhaltens abhängig.

Die Deutschen sollten sich fragen, wie sie sich und Europa ändern können, um die Zusammenarbeit mit den Europäern für die Amerikaner attraktiver zu machen.  Investiert Deutschland in eine Partnerschaft mit Bidens Amerika, sind große strategische Gewinne zu erzielen im Umgang mit Europas schwieriger Nachbarschaft. Bietet Deutschland auch Kompromisse bei Unterschieden im Umgang mit Russland, China, Türkei, Iran, Israel, sowie bei Pandemie, Korruption und Klimawandel, ist transatlantische Zusammenarbeit für Deutschland einfacher, erfolgreicher, nachhaltiger.

Made in Germany
Das Beste in Amerika hat immer ein bisschen Made in Germany dabei, von Friedrich Wilhelm Steuben und Carl Schurz bis zu Kindergarten, Bier und Heckler & Koch. Eine erfolgreiche, weltoffene, zukunftsgerichtete Biden Außenpolitik sollte auch ein bisschen Made in Germany dabeihaben, also ein gestiegenes deutsches Engagement für die Partnerschaft und die Umsetzung der gemeinsamen Ziele.