Mano-a-Mano in Denver

02/10/2012

Von Andrew Denison

Debatefest

Debatten sind entscheidend, wenn auch nicht allentscheidend. Aus den vielen Wochen und Monaten und Jahren des Kampfes um der Präsidentschaft sind es 2012 nur diese wenige 3 x 90 Minuten, die die Kandidaten auf das höchsten Amt im direkten Vergleich zeigen, Mano-a-Mano. Der Präsident hat mehr zu verlieren, wenn er am Mittwoch in Denver, Colorado, und dann in Hempstead, New York, und Boca Raton, Florida, die die höchste, die präsidentielle Bühne mit seinem Kontrahenten teilen muss. Romney hat mehr zu gewinnen – in diesen ungewissen, nicht-programmierten Momenten kann der Herausforderer gegen den aktuellen Trend steuern, der fünf Wochen vor der Wahl auf einen Sieg Obamas zeigt.

Beide Kandidaten sind Harvard–Juristen – ansonsten sind sie äußerst unterschiedlich. Wie reagieren diese Männer aufeinander? Wer hebt seine Stimme, wer nicht? Spannend und dramatisch wird es werden. Die Amerikaner schauen am Mittwochabend zu, wahrscheinlich noch mehr als die 63 Millionen (jeder 5. Einwohner), die 2008 Obama-McCain geschaut haben.

Denver, Colorado, und die umliegenden Städte, sind zusammen eine Megalopolis am Fuße der Rocky Mountains, deren Gesamtbevölkerung seit 2000 um 15 Prozent auf über 4 Million Menschen gewachsen ist. So auch der Bundesstaat Colorado, der jetzt jünger, gebildeter und hispanischer wird. Colorado ist daher auch „demokratischer“ geworden. 2012 bleibt dieser Berg-und-Prairie-Bundesstaat aber heiß umkämpft. Republikaner, ob Cowboy, Rancher, Ölunternehmer, Bergarbeiter oder Evangelikaler, genießen immer noch großen Einfluss, und Geld aus den Schatztruhen der Nationalen Republikanischen Partei und den vielen unabhängigen, weitgehend ungeregelten Wahlkampforganisationen.

Am Mittwoch ist die University of Denver stolzer Gastgeber, samt großangelegtem „DebateFest.“ Die Institution passt zum Anlass – Debattierklubs prägen den amerikanischen Campus seit eh und je. Rededuelle sind politische Kultur, mindestens seit Abraham Lincoln und Stephen Douglas 1858 gegeneinander für den Senatssitz aus Illinois kandidierten—und debattierten. Etwas schlichter dagegen präsentiert sich der traditionellen Träger der Präsidentschafts-Debatten, die Commission on Presidential Debates.

Rückblick: Denver, Colorado wurde schon 2008 recht bekannt als Kürungsort des demokratischen Kandidaten Barack Obama. Durch einen glücklichen Zufall war ich damals mit im Stadium, wie hier zu sehen ist. Spannend waren 2008 auch die Ereignisse in der benachbarten Bier-und-Biker-Stadt Golden, wo meine Mutter(!) einen Besuch des TV-Senders Al-Jazeera-English organisierte, über den die Washington Post einen schönen Film drehte.

Die Hoffnung auf Wandel ist nicht mehr so elektrifizierend wie damals 2008 in Colorado—doch die Zeiten haben sich verbessert, so wenigstens die von Realclearpolitics dargestelte Entwicklung der öffentlichen Meinung.

Von Juni 2009 bis Oktober 2011 meinten immer mehr Amerikaner, das Land sei auf dem falschen Wege. Danach kehrte sich dieser Trend um – positiv für Präsident Obama. Welchen Effekt die Debatten in der öffentlichen Debatte haben werden, ist mit Spannung abzuwarten. Sicher ist, dass sie dieses Mal mit besonderer Aufmerksamkeit gesehen werden – schliesslich ist es die letzte Chance für den Herausforderer Romney, das Blatt noch zu wenden.