Mauerfall und Wiedervereinigung als Spiegelung amerikanischer Macht — Eine persönliche Betrachtung

09/11/2019

Der Mauerfall am 9. November, 1989, und die deutsche Wiedervereinigung 329 Tage später, waren für mich ohne Zweifel der deutlichste Ausdruck amerikanischer Macht, den ich je erlebt habe. >> English version

Berlin, Weihnachten 1987

Meine Begegnungen mit amerikanischer Macht begannen schon in der Kindheit. Ich erinnere mich noch klar an den Moment, wo ich als kleiner Junge diese Macht zum ersten Mal eindrucksvoll spürte. Nicht Macht im Sinne von Frieden, Freiheit und Wohlstand der fröhlichen Vororte Amerikas—nein, Macht im Sinne der amerikanischen Fähigkeit, andere Nationen zu „überzeugen,“ das zu tun, was Amerika will.

Amerikanische Macht als militärische Macht im Zweiten Weltkrieg
Mein Vater ist Physiker, und daher verbrachte ich viele Sommer meiner Kindheit in Los Alamos, New Mexico. Eine meiner ersten Erinnerungen ist die faszinierende Ausstellung des Museums des Los Alamos National Laboratory. Direkt am Eingang war eine Schautafel mit Sand, der zu Glas verschmolzen war, und beeindruckenden schwarzweißen Fotos. Eines war von einem Turm mit einer kugelförmigen Bombe obendrauf, ein anderer von einer enormen Pilzwolke. Meine Eltern lasen mir den Text auf der kleinen Tafel vor.

Um 5.29 Uhr am 16. Juli, 1945 in der Wüste nahe Alamogordo, New Mexico, hatten die Physiker ihr „Gadget“ gezündet. Ihr „Trinity Test“ entfesselte die Sprengkraft von zwanzig Tausend Tonnen TNT. Ergebnis: eine Hitze wie auf der Sonnenoberfläche; eine Schockwelle, die Städte flachlegen konnte; und eine seltsame Radioaktivität, giftig, unsichtbar, langlebig. Wichtiger noch, mit dem Abwurf auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 beendete die „Bombe“ den Zweiten Weltkrieg—zu Amerikas Gunsten. Damit initiierten die Amerikaner das atomare Zeitalter mit all seinen rätselhaften Konsequenzen.

Meine Neugier wurde sofort geweckt. Als Fünfjähriger hatte ich ein neues Hobby gefunden. Hier war amerikanische Macht, die meine Vorstellungskraft sprengte, und ich wollte mehr wissen.

Trinity-Test, 16. Juli 1945

Nach diesem Sommer in Los Alamos zog meine Familie 1967 für zwei Jahre nach Deutschland, genauer Heidelberg. Ich war sofort in dieses märchenhafte Land verliebt, samt Ritterburgen und Ruinen. Am Heidelberger Schloss konnte man die Spuren des Krieges hautnah erleben, die dicken Wände des halb zersprengten Pulverturms zeugten von ungeheurer Wucht. Überall erlebte ich in meiner Vorstellung die Ritter und ihre Panzerung, die Kanonaden gegen die Festungsmauern. Kindergarten und erste Klasse in Heidelberg war ganz besonders spannend für einen Jungen aus Laramie, Wyoming, einer Kleinstadt im fast menschenleeren Westen der USA.

Learning to love Germany, 1967–69

Eines Tages, dort in Heidelberg, sah ich meinen Vater in einem sehr dicken Buch lesen. Über 1000 Seiten. Vorne auf diesem Buch war ein seltsames Zeichen. Ich fing an, mit schönen, bunten deutschen Filzstiften dieses Zeichen nachzumalen. Mein Vater sah dies und sagte laut: „Hör sofort damit auf!“ Ich verstand nicht, was er meinte—bis er mir die Geschichte dieses Buches erklärte, The Rise and Fall of the Third Reich—und warum man das Hakenkreuz nicht zeichnen soll. Da hatte mein Vater einiges zu erzählen, denn ich konnte nicht genug davon bekommen. So eine Geschichte hatte ich noch nie gehört. Die amerikanischen GIs, so mein Verständnis, hatten durch ihren Einsatz im Zweiten Weltkrieg die guten Deutschen vor dem bösen Hitler gerettet. Ich war gefesselt. Märchen interessierten mich nicht mehr. Comicbücher schon.

Heute sehe ich den Zweiten Weltkrieg weiterhin als Maßstab aller menschlichen Dinge. Im Ausgang des Krieges liegt die Genese und Form unserer heutigen Weltordnung. Vietnam und Watergate haben die amerikanische Macht korrumpiert, wie viele andere Fehler auch, ob in Afghanistan, in Irak oder im Weißen Haus. Doch mit einmaliger Geographie, der Atom-Bombe und dem Bündnis der Vereinten Nationen haben die USA durch ihren Sieg im Zweiten Weltkrieg eine Machtposition erlangt, die sie noch lange als globale Supermacht ohne historisches oder zeitgenössische Beispiel halten wird—in einer Welt, die noch lange von den Konsequenzen des Zweiten Weltkriegs geprägt sein wird.

Zurück in der hohen Prärie Wyomings blieb mir die Liebe zu Europa erhalten, die Neugier über die europäischen Geschichten auch. 1978 ging meine Familie wieder nach Europa, diesmal für ein Jahr nach Zürich. Mit 16 war ich schon halb erwachsen, und in Europa und der Welt war eine Menge los. In Nicaragua und Iran gab es Revolutionen. In Europa, nach einer Zeit der Ostpolitik und Entspannung, war wieder kalter Krieg. Die Bedrohung der neuen sowjetischen Kernwaffen, auf mobilen SS-20 Raketen montiert, dominierte die Schlagzeilen. Trotz meiner neu gefundenen Liebe für Europa musste ich wieder nach Amerika, für mein letztes Jahr High-School.

Gegenseitige Zerstörung wegen Europa?
Nach meiner Graduation im Sommer 1980 entschied ich mich, ein Studium der International Studies an die University of Wyoming anzufangen. Gleichzeitig bin ich in die National Guard eingetreten, um nach viermonatiger Ausbildung am Fort Leonard Wood, Missouri, als Reservist (Pionier) zu dienen—und nebenbei mein Studium von US-Army finanziell unterstützt zu bekommen. Als Student der internationalen Beziehungen und Reserve-Soldat zugleich meinte ich das Theoretische und das Praktische am besten kombinieren zu können.

Während ich in der Grundausbildung war, gewann der selbsterklärte „Kalte Krieger“ Ronald Reagan gegen Jimmy Carter im Wahlkampf 1980. Reagan versprach, die USA aufzurüsten, um sowjetisches „Abenteurertum“ abzuschrecken und einzudämmen. Und dies tat er auch. Als zentraler Teil seiner Aufrüstung—neben Marschflugkörpern und Pershing-Raketen für Europa—sollten neue, landgestützte Interkontinental-Raketen—jede bestückt mit zehn Kernwaffen, die sogenannte MX—in der Prärie von Wyoming stationiert werden.

Fort Leonard Wood, 1980

Da wurde ich neugierig. Warum braucht man so viele neue Kernwaffen, wenn ein Kernwaffenkrieg sowieso die gegenseitige Zerstörung bedeuten würde? War das nicht ein bisschen übertrieben? Dann erfuhr ich, dass gemäß der damaligen amerikanischen Strategie die Überlegenheit bei Kernwaffen doch wichtig war, um die Glaubwürdigkeit des nuklearen Schutzschirms für die Verbündeten in Europa, vor allem die Bundesrepublik Deutschland, aufrecht zu halten. Man wollte zeigen, dass man nicht davor zurückschrecken würde, NATO-Verbündete (auch West-Berlin) vor einem sowjetischen Überfall zu verteidigen—auch durch den Einsatz der großen Geschütze in Wyoming. Schnell kam ich als junger Student und Soldat zum Schluss, es wäre doch besser, wenn die Deutschen und die anderen Europäer mehr für ihre eigene Verteidigung tun würden, so dass Amerika nicht diese teure und doch nicht ganz glaubwürdige Garantie leisten muss.

Ich fing an, die Veranstaltungen der Nuclear Freeze Bewegung zu besuchen, die auch das Argument vertrat, die Europäer sollten mehr für ihre eigene Verteidigung tun. Ich fühlte mich wohl unter den Friedensbewegten, lernte dort auch meine künftige Frau, Ursula Kölsch, Austauschstudentin aus Hamburg, kennen. Bald fing ich an, die Gruppe mit zu organisieren, wurde sogar Vorsitzender für den ganzen Bundesstaat Wyoming, durfte unseren Bundesstaat und seine damals 500,000 Einwohner in Washington beim National Freeze Committee repräsentieren, und war somit 1984 im nationalen Wahlkampf aktiv beteiligt, während ich in Wyoming mein Studium abschloss.

Friedensbewegt, 1984

Danach wollte ich in Europa weiter studieren, denn ich war überzeugt, in Europa läge auch die Lösung für das Problem der MX-Rakete in Wyoming. Wie konnte man die Gefahren dort reduzieren? Wie konnten die Europäer dazu gebracht werden, mehr für die eigene Verteidigung zu leisten? Gab es eventuell Abrüstungsmöglichkeiten? Mit diesen Fragen fing ich ein Magister-Studium in Hamburg bei Professor Wolf Graf von Baudissin an. Ich wollte über konventionelle Rüstungskontrolle und Abrüstung in Europa schreiben, denn ich meinte, nur mit einem europäischen Gleichgewicht könne Amerika von seiner riskanten nuklearen Garantie für Europa wegkommen.

Berlin, Dezember 1987

In dieser Zeit, wo der Kalte Krieg so gefährlich schien, übernahm Mikhail Gorbachev die Macht im Kreml. Er erkannte, wie ausgehöhlt das sowjetische System war, wie unfähig der kommunistische Koloss war, im Hi-Tech Bereich mit dem Westen zu konkurrieren. Er setzte auf Entspannung und Reform.

Die Eskalation des Kalten Krieges provozierte auch im Westen eine Reaktion. Viele amerikanische und europäische Beobachter sahen die USA als finanziell überfordert, geostrategisch überstrapaziert, vom Untergang gefährdet—wie alle Imperien davor. Paul Kennedys, The Rise and Fall of the Great Powers, wurde 1988 zum Bestseller. Hierin warnte der britische Historiker, die USA stehe vor imperialer Überdehnung. In Washington DC begann ich zu dieser Zeit meine Promotion an der Johns Hopkins University, mit Doktorvater David Calleo, der gerade das Buch Beyond American Hegemony veröffentlicht hatte—ein Aufruf an Europa, mehr Lasten zu übernehmen, mehr Solidarität zu zeigen, so dass Amerika wieder zu Hause investieren könne.

Die Abrüstung der Geschichte. Mauerfall und Sieg ohne Krieg
Doch am 4. und 18. Juni 1989 wählten die Bürger Polens zum ersten Mal seit 60 Jahren frei und mit Oppositionspartei. Solidarnosc gewann die Mehrheit und bildete eine nichtkommunistische Regierung unter Tadeusz Mazowiecki. Gorbachevs Moskau schaute nur zu. Mit dieser erdrutschartigen Veränderung machte es die Sowjetunion für die Europäer leichter, dem amerikanischen Ruf nach Lastenteilung gerecht zu werden. Gorbatschev bot die Abrüstung an, sowie das Szenario, die Rote Armee könne sich weitgehend aus den Warschauer-Pakt-Staaten zurückziehen. Und im Gegensatz zu seinen Vorgängern meinte er es ernst damit.

Gorbachev erkannte, 45 Jahre nach Kriegsende, dass eine militärische Pufferzone in Osteuropa die Sowjetunion mehr kostete als nutzte. Er unternahm (in guter russischer Tradition) einen halbwegs geordneten strategischen Rückzug. Gorbachevs Konzessionen überraschten alle. Erstaunlich ist, dass das westliche Bündnissystem sich flexibel genug zeigte, um auf Gorbachev einzugehen, und mit ihm die Überwindung des Kalten Krieges in Europa anzustreben.

Während Diplomaten der NATO und des Warschauer Pakts dabei waren, den Rückzug der Roten Armee aus Ost- und Mitteleuropa zu verhandeln—mit nur wenigen Konzessionen des Westens—überholten die politischen Ereignisse die Verhandlungen. Einmal freigelassen, war der Drang nach Freiheit, auch nach Westen, nicht mehr zu zügeln. In Ungarn, Tschechoslowakei, dann Ostdeutschland, Bulgarien und Rumänien, fingen die kommunistischen Parteien an zu bröckeln—und es gab keine sowjetische Intervention, wie beim Prager Frühling 68, oder Budapest 56, oder Ostberlin 53.

Dieser Drang nach Freiheit war nicht nur in Europa zu sehen, sondern auch in China, wo sich im Juni 1989 Demonstranten am Platz des himmlischen Friedens in Peking versammelten und nach mehr Freiheit riefen. Bald waren es hundert Tausende, die sich alle um ein Modell der amerikanischen Freiheitsstatue, Lady Liberty, drängten—bis am 4. Juni (dem ersten Tag der polnischen Wahlen) das chinesische Militär den Platz brutal räumte—unter Einsatz von Maschinengewehren und Panzern. Westliche Quellen vermuten, dass Tausende Demonstranten dabei umgekommen sind.

Als die Montagsdemonstrationen in Leipzig im Herbst 1989 immer größer wurden, stieg die Angst vor einer „Tiananmen-Lösung“ auch in Ostdeutschland. Doch nach Gorbachevs Mahnung, „wer spät kommt, den bestraft das Leben,“ sahen die Machthaber in Ostberlin keine Alternative zum Nachgeben. Die Macht des Volkes, die Macht der Straße war nicht mehr zu zügeln, der Wunsch nach Reisefreiheit auch nicht.

Die Berliner Mauer: Grafitti

Mitten im Chaos dieser Herbstmonate, auch in der SED, und nach dem Rücktritt vom KP- und Staatschef Eric Honecker, kündigte SED-Politbüro Mitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 anhand irgendwelcher unsortierten Unterlagen folgende Regelung an: „Die ständige Ausreise kann über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD bzw. zu Berlin-West erfolgen.“

So strömten die Massen zu den Übergängen, weinend vor Freude, und spazierten durch die so lange so unüberwindbar scheinende Mauer zwischen Ost- und Westberlin.

Ich war in Washington, eigentlich beschäftigt mit meiner Dissertation über die „europäischen Dilemmata der SPD“. Doch die tagtäglichen Nachrichten aus Europa fesselten mich und meine Kommilitonen. Wir wussten alle, was auf dem Spiel stand: ein Aufstand in Ostdeutschland war immer als Zünder eines dritten Weltkrieges gesehen worden. Doch die Menschen tanzten auf der Mauer. Alles blieb friedlich, es blieb ein Wettrennen zwischen dem American Dream und dem realexistierenden Sozialismus, ohne militärische Auseinandersetzung. Der vermeintlich unlösbare Ost-West-Konflikt löste sich auf, nicht mit Waffengewalt, sondern durch die Wucht der Menschen und ihrer Träume von einem besseren Leben. Wer hätte das nach den europäischen Tragödien des 20. Jahrhunderts erwartet?

In aller Eile verhandelten die Diplomaten der vier Siegermächte und der beiden deutschen Staaten die Neuordnung Deutschlands und Europas. 329 Tage nach dem Mauerfall war Deutschland am 3. Oktober 1990 (weitgehend) wieder vereint, auch im Sinne eines endgültigen Friedensvertrags—45 Jahre nach Kriegsende.

Überall in Europa verloren die kommunistischen Parteien ihre Macht, und nach einem gescheiterten Staatsstreich gegen Mikhail Gorbachev im August 1991 kam nicht nur das Ende der Alleinherrschaft der Kommunistischen Partei in der Sowjetunion, sondern auch, am 31. Dezember 1991, die Auflösung der Sowjetunion als solche. Aus ihr entstanden Russland und 15 Nachfolgestaaten, in denen, nach Moskaus Behauptung, heute noch 30 Millionen ethnische Russen zu Hause sind.

So eine radikale und überraschende Änderung der Machtverhältnisse gibt es äußert selten in der Geschichte—dass es dabei so friedlich zuging, ist mehr als ein Wunder. Das Bild der tanzenden Menge auf der Mauer bleibt ein sehr passender Schlussstrich unter einem sehr blutigen Jahrhundert. Nicht mit radioaktiven Pilzwolken, sondern mit knallenden Sektkorken endete der kalte Krieg mit einem Sieg für den Westen.

Die Macht der Menschenwürde
Um hier in Europa zu gewinnen, stand in mancher Hinsicht mehr auf dem Spiel als am Ende des Zweiten Weltkrieges, denn ein dritter, atomar Weltkrieg hätte ein unvergleichliches Menschensterben mit sich gebracht. Im nuklearen Patt waren nicht nur die allwichtigen Bündnisse und technologisch-militärischen Vorsprünge von größter Bedeutung, sondern auch der Wunsch der Menschen, der kommunistischen Tyrannei zu entkommen. Sie wollten frei und wohlhabend und ohne bürokratische Willkür leben, wie sie es sich im Westen vorstellten. Auf der Suche nach der richtigen Staatsform wurde die Frage der Menschenwürde zum strategischen Moment. Hier hatte der Westen, wie schon Adenauer hoffte, seine magnetische Wirkung ausgeübt—nicht nur wegen militärischer Überlegenheit, die im nuklearen Zeitalter sowie nur begrenzt nutzbar ist—sondern wegen seines Menschenbildes und seiner Freiheit in Rechtsstaatlichkeit.

Beim nuklearen Patt und gegen die sowjetische Kriegswirtschaft haben Amerika und seine Bündnispartner gewonnen. Das war die Macht, die den friedlichen Mauerfall herbeigeführt hat, das war die Macht, die die Vereinigten Staaten zur letzten Supermacht gemacht hat. Im 21. Jahrhundert ist eine Weltregierung wahrscheinlicher als ein China, oder Indien, oder Russland oder Europa als nächste, „letzte“ Supermacht. Bleibt der Menschheit ein Atomkrieg erspart, steht Amerika weiter mit den Vorteilen da, die zum Sieg im Ersten, im Zweiten und im Kalten Krieg geführt haben.

Die heutige europäische Friedensordnung—mit dem vereinten Deutschland mittendrin—ist sowohl Zeichen wie Stütze amerikanische Macht. Ohne Amerika als europäische Macht gäbe es weder eine europäische Friedensordnung noch ein sicheres Amerika. Doch zusammen, wenn nicht auf gleicher Augenhöhe, sind USA und Europa unschlagbar. Der Mauerfall und die Wiedervereinigung spiegeln wie kaum ein anderes Ereignis die komplementären Kräfte der beiden. Das müssen China und Russland und alle anderen revisionistischen Mächte einsehen. Diese Geschäftsgrundlage, diese Machtverteilung, mag man gern kritisieren, ob in Peking, Moskau, Teheran, oder einigen Hauptstädten Europas—aber sie zu ändern ist schwieriger.

Dreißig Jahre nach Mauerfall, 75 Jahre nach Kriegsende, lebe ich gut und gerne in Deutschland, im romantischen Rheinland, in einem kleinen Dorf, dankbar für eine deutsche Hauptstadt in Berlin, die sich eher rheinländisch als preußisch oder sowjetisch darstellt: Leicht närrisch, doch pluralistisch und mit Westbindung als Staatsräson. Konrad Adenauer würde sich freuen. Dreißig Jahre nach dem Mauerfall weiß ich, was diesem Deutschland im Verbund mit Amerika gelungen ist und bleibe zuversichtlich, dass Deutschland und Amerika diese erstaunliche, gemeinsame Erfolgsgeschichte weiterschreiben werden.